FuN

Seit Januar 2009 bieten wir FuN-Kurse an. FuN steht für Familie und Nachbarschaft, aber auch für Spaß (englisch: fun). Ein- bis zweimal pro Jahr laden wir acht Familien ein, über einen Zeitraum von zwei Monaten eine wertvolle gemeinsame Zeit zu erleben. Das von Praepaed entwickelte FuN Familienprogramm stellt ein wichtiges Element der Kontakte der Schulstation zu den Eltern der Schule dar. FuN  fördert die Interaktions- und Kommunikationsstrukturen zwischen Eltern und Kindern, den Aufbau von Kontakten zu Eltern aus der Nachbarschaft und die Vernetzung verschiedener Unterstützungsangebote im Kiez.

Der Kerngedanke der Stärkung elterlicher Kompetenz ist in einem spielerisch aufgebauten Programm von acht aufeinander folgenden Terminen aufgehoben, das Eltern und Kindern Spaß macht und ihnen neue Erfahrungen miteinander ermöglicht. Unter der Prämisse, dass die Klarheit von Generationsgrenzen und Rollen, Indikatoren für ein förderndes Miteinander von Familien sind, werden Eltern dabei „gecoacht“, Verantwortung zu übernehmen und unterschiedliche Interessen der Familienmitglieder miteinander in Einklang zu bringen.

In den vergangenen Jahren haben wir mit verschiedenen Einrichtungen und Kolleg*innen kooperiert: mit dem Kinder-, Jugend-, Familienzentrum Haus am See, mit der Kita Letteallee, mit dem ehemaligen Familienzentrum Amendestraße, der Stötzner-Schule und Familienhelfer*innen von Aufwind e.V.
Wir führen FuN in einem Team aus 4 Kolleg*innen in Zusammenarbeit mit dem Bereich der Ambulanten Hilfen von Aufwind e.V., Mitarbeiter*innen  des Kinder-, Jugend- und Familienzentrums Haus am See, sowie der Schulstation der Schäfersee-Grundschule z.Zt.  im Wechsel an der Kolumbus-Grundschule und im Haus am See durch.

Ein wesentlicher Baustein des FuN-Konzepts ist die Anregung elterlicher Partizipation am Leben einer Einrichtung sowie die Ermutigung, sich für die Interessen des eigenen Kindes einzusetzen. Da das Programm nicht sprach- sondern handlungsorientiert ist, und Eltern während der Spiele in ihrer Familiensprache sprechen können, macht es auch Eltern nichtdeutscher Herkunft Mut, sich mehr zuzutrauen und sich vermehrt einzubringen und  zu artikulieren.
Viele Reinickendorfer Familien gaben uns am Ende der acht Wochen des Familienprogramms die Rückmeldung, großen Spaß gehabt zu haben und eine Menge an Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen.

Während der Nachmittage beobachten wir in allen Kursen eine wachsende Vertrautheit innerhalb der Gruppe und den Zuwachs an elterlichem Selbstwertgefühl. Die Gruppe kann  sich immer offener auf neue (Spiel)Erfahrungen einlassen und am Ende übernahmen während verschiedener Programmpunkte sowohl die einzelnen Elternteile als auch alle gemeinsam mehr Verantwortung für die Kinder. Gemeinsam werden sowohl Kinder als auch Eltern mit Applaus gelobt und bestärkt. Alle genießen die Regelmäßigkeit an gemeinsamer Zeit, in der sie sich gegenseitig mit Spaß und Freude erleben können. Die angebotenen Spiele werden zu nehmend positiv und mit Freude aufgenommen und die Stimmung wird immer ausgelassener.

Für uns Teamer_innen ist es zwar ganz selbstverständlich geworden, aber immer wieder eine Herausforderung, unseren Blick weg von Erziehungsdefiziten oder tollen Ergebnissen zu lenken und das zu beobachten und wertzuschätzend rückzumelden, das gut klappt.
Auch wenn es oft schwer fällt, FuN so in unseren Arbeitsalltag zu integrieren, dass es zu kaum Mehraufwand kommt, konnten auch wir uns während der Nachmittag oft ausgelassen freuen.

Zu den einzelnen Programmelementen (ein FuN Nachmittag dauert 3 Stunden, meist von 15 bis 19 Uhr):

Das Begrüßungsritual betont, dass wir pünktlich beginnen. Wer zu spät kommt, verpasst etwas Wertvolles!

Es folgt ein Kooperationsspiel, bei dem viele Familien bemerken, wie gut sie zusammen arbeiten können. Eltern bemerken, wie sie zunehmend in der Lage sind, die Zusammenarbeit - auch der Geschwister - zu fördern.

 

Anschließende Kommunikationsspiele wecken die Spielfreude der Familien. Viele genießen es, Zeit für ein ruhiges Gespräch zu haben. Viele erfahren Neues über ihre Kinder. Alle freuen sich über positive Rückmeldungen. Es tut gut, sich gegenseitig zu loben und sich etwas vorzunehmen. Dass Lob auch Eltern gut tut, merken wir Teamer*innen beim „Coachen“ der Familien.
Unser Coaching (kurze Kommentare positiver Art) wird von Mal zu Mal lächelnder von den Eltern entgegengenommen, in den Auswertungsrunden berichteten Eltern immer offener von ihren Erfahrungen. Alle Familien genießen ihren Applaus, auch wenn es am Anfang ganz ungewohnt scheint.

 

Die gemeinsame Essenszeit genießen alle. Familien brachten in den vergangenen Jahren köstlich und vielfältig zubereitetes Essen mit, und es überrascht uns immer wieder, wie einfach es jede Woche ist, eine*n Empfänger*in für unseren „Kochlöffel“ zu finden (die Familie, die kocht bekommt 25 € für den Einkauf).

 

In der folgenden Elternrunde herrscht trotz der unterschiedlichen Teilnehmer_innen eine angenehme, zunehmend offene und vertraute Atmosphäre, in der die Gemeinsamkeiten der Erfahrung als Eltern als auch Unterschiedlichkeit und kulturelle Vielfalt wahrgenommen werden kann.

Die Betreuung der Kinder während der Elternzeit ist je nach Heterogenität der Gruppe mal eine größere oder kleinere Herausforderung für zwei unser Teamer_innen.

 

Große Veränderungen in der Interaktion erleben wir beim Spiel zu Zweit. Diese Zeit des gemeinsamen Spiels mit wertlosem Material, mit Gesammeltem (Korken, Federn, Murmeln, Klopapierrollen) wird von Eltern und Kindern intensiv genutzt und wahrgenommen. Auch ältere Kinder scheinen die Erfahrung der Verbindlichkeit und alleinigen Aufmerksamkeit zu genießen. Aber auch den Eltern ermöglicht das Spiel, Wertvolles an ihren Kindern (wieder) zu entdecken. Einige Familien berichteten davon, dass sie die Erfahrung, Geschwisterkinder auch trennen zu können, gut in den Alltag integrieren konnten.

 

Die Überraschungsspiele kommen sehr gut an, denn es kann immer wieder herzlich gelacht werden, und besonders die Kinder finden es schön, ihre Eltern so ausgelassen und fröhlich zu erleben.

 

Im Abschlusskreis geht es uns noch einmal darum, uns mit einem Ritual - meist einem Lied -  voneinander zu verabschieden.

Nach den acht Nachmittagen erhalten die Familien ein „FuN - Diplom“!